Bund der Steuerzahler Berlin e.V. - Steuertipp März 2013 - Abgeltungsteuer & Werbungskosten


08.03.2013

Steuertipp März 2013 - Abgeltungsteuer & Werbungskosten

Einspruch einlegen kann sich lohnen

Für Anleger kann es sich lohnen, Einspruch gegen ihren Steuerbescheid einzulegen. Denn das Finanzgericht Baden-Württemberg hat kürzlich entschieden, dass Sparer und Kapitalanleger Werbungskosten absetzen dürfen. Eigentlich können Werbungskosten für private Geldanlagen seit dem Jahr 2009 nicht mehr berücksichtigt werden. Nun bietet das Urteil aber die Chance, solche Kosten doch noch steuermindernd anzusetzen. Der Bund der Steuerzahler erklärt die Details.

Seit dem Jahr 2009 gilt für private Einkünfte aus Kapitalanlagen grundsätzlich die Abgeltungsteuer. Danach kann von den Kapitalerträgen nur noch der Sparer-Pauschbetrag von 801 Euro bzw. 1.602 Euro (bei zusammenveranlagten Ehepaaren) abgezogen werden. Dies gilt nach dem Gesetzeswortlaut auch dann, wenn die tatsächlichen Werbungskosten diesen Betrag übersteigen. Das Finanzgericht Baden-Württemberg hat hingegen aktuell entschieden, dass die tatsächlichen Werbungskosten bei Einkünften aus Kapitalanlagen zu berücksichtigten sind, soweit sie den Sparer-Pauschbetrag übersteigen. Dies gilt jedenfalls in Fällen, bei denen der persönliche Einkommensteuersatz unter dem Abgeltungsteuersatz von 25 Prozent liegt (Az.: 9 K 1637/10). Die Finanzverwaltung hat gegen das steuerzahlerfreundliche Urteil Revision beim Bundesfinanzhof eingelegt, teilt der Bund der Steuerzahler mit. Dort ist das Verfahren unter dem Aktenzeichen VIII R 13/13 anhängig. Betroffenen Steuerzahlern empfiehlt der Bund der Steuerzahler, sich auf dieses Verfahren zu berufen und Einspruch gegen den Steuerbescheid einzulegen. Kommt auch der Bundesfinanzhof zu dem Ergebnis, dass die tatsächlichen Werbungskosten absetzbar sind, so gibt es dann eventuell Geld zurück.

Ausdrücklich nicht entschieden hat das Finanzgericht die Frage, ob die tatsächlich angefallenen Werbungskosten auch in Fällen steuermindernd berücksichtigt werden müssen, in denen der persönliche Steuersatz des Steuerzahlers höher ist als der Abgeltungsteuersatz. Auch diese Steuerzahler können jedoch – mit Verweis auf das laufende Verfahren – Einspruch gegen den Einkommensteuerbescheid einlegen und versuchen, die Berücksichtigung der tatsächlichen Werbungskosten zu erreichen. Es ist gegenwärtig aber noch ungewiss, ob die Finanzverwaltung auch in diesen Fällen das Ruhen des Verfahrens gewährt. Zu den Werbungskosten zählen etwa Depotgebühren, gezahlte Zinsen für Wertpapierkredite, Beratungskosten oder Aufwendungen für die Teilnahme an einer Hauptversammlung, erklärt der Bund der Steuerzahler.


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