Bund der Steuerzahler Berlin e.V. - Steuertipp September 2013 - Volle Fahrtkosten bei Kundenbesuchen


19.08.2013

Steuertipp September 2013 - Volle Fahrtkosten bei Kundenbesuchen

Gleiches Recht für Unternehmer

Selbstständige und Unternehmer sollten sich nicht mit der niedrigeren Entfernungspauschale abspeisen lassen, wenn es um Fahrten zum Kunden geht, so der Bund der Steuerzahler. Wird nämlich ein Arbeitnehmer beim Kunden tätig, können die Fahrtkosten für Hin- und Rückfahrt steuerlich geltend gemacht werden. Bei Unternehmern will die Finanzverwaltung hingegen oft nur die Entfernungspauschale anerkennen, wenn ein Kunde regelmäßig besucht wird. Durch ein Urteil des Finanzgerichts Düsseldorf bekommen Unternehmer und Selbstständige nun aber Rückenwind. Das Gericht erlaubte den vollen Fahrtkostenansatz.

Im Fall war der Steuerzahler selbstständig im Bereich der EDV-Organisation tätig. Im Jahr 2008 betreute er nur einen Kunden. Dazu fuhr er regelmäßig mit seinem Firmenwagen in die Betriebsstätte seines Kunden. Der Kläger machte die Kosten für die Hin- und Rückfahrten als Betriebsausgaben geltend. Die Finanzverwaltung beurteilte die Fahrten zum Kunden hingegen nur als Fahrten zwischen Wohnung und Betriebsstätte und setzte als Betriebsausgabe lediglich die niedrigere Entfernungspauschale mit 30 Cent je Entfernungskilometer (also nur den einfachen Weg) an. Der Steuerzahler zog vor das Finanzgericht Düsseldorf. Die Richter folgten der Auffassung des Steuerzahlers, berichtet der Bund der Steuerzahler. Das Gericht ging davon aus, dass die betriebliche Einrichtung eines Kunden keine Betriebsstätte des Klägers ist. Zur Begründung zog das Finanzgericht die Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs zu Arbeitnehmerfällen heran. Danach ist die betriebliche Einrichtung eines Kunden keine regelmäßige Arbeitsstätte bei einem Arbeitnehmer. Diese Wertung müsse auch für Unternehmer gelten, so das Finanzgericht Düsseldorf (10 K 829/11 E) und erlaubte den vollen Fahrtkostenansatz. Das Finanzamt hat gegen diese steuerzahlerfreundliche Rechtsprechung Revision beim Bundesfinanzhof eingelegt. Das Verfahren ist dort unter dem Aktenzeichen X R 13/13 anhängig.

Betroffene Unternehmer sollten sich auf dieses Verfahren berufen und den niedrigeren Ansatz der Entfernungspauschale bei Kundenbesuchen nicht akzeptieren, rät der Bund der Steuerzahler, der das Verfahren beim Bundesfinanzhof als Musterverfahren unterstützt. Folgt der Bundesfinanzhof der Vorinstanz, so steht den Unternehmern der volle Fahrtkostenansatz zu. Unternehmer, die ihren Steuerbescheid mit einem Einspruch offenhalten, bekommen dann ggf. zu viel gezahlte Steuern zurück. Ein Einspruch muss binnen eines Monats nach Bekanntgabe des Steuerbescheids eingelegt werden.


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