Bund der Steuerzahler Berlin e.V. - Wenn das letzte Stündlein schlägt


06.12.2017

Wenn das letzte Stündlein schlägt

Kunst an der Berliner Charité vergoldet den Abgang
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450.000 Euro hat die vor wenigen Tagen an der Berliner Charité fertiggestellte Kunstinstallation "Die Goldene Stunde" gekostet, wie der Bund der Steuerzahler von der Senatsverwaltung für Kultur erfahren hat. In einer früheren Pressemitteilung war noch von "nur" 324.000 Euro für Preisgelder, Aufwandsentschädigungen und die Realisierung die Rede. Dabei hängen die Berliner Kliniken mit einem Sanierungsrückstau in Milliardenhöhe finanziell selbst am Tropf.

An der Brandwand gegenüber dem Haupteingang des sanierten Bettenhochhauses an der Luisenstraßen hängt jetzt ein 8,5 Meter großes, abstrahiertes goldenes Ziffernblatt mit ausgesparten Stunden- und Minutenstrichen. An der Wand im Innenhof des Charité-Baus erscheint das Ziffernblatt in umgekehrter Weise. Die Kunst am Bau dient künftig dem Ziel, sich mit zeitgenössischen Mitteln sowohl inhaltlich als auch räumlich im Spannungsfeld zwischen Wissenschaft, Lehre, Forschung und Geschichte mit dem Standort auseinanderzusetzen.

Frontal gegenüber dem Charité-Haupteingang platziert wirke die Arbeit wie eine goldene Sonne, ein stimulierendes, positives Signal an Patienten und Besucher, heißt es in der Erläuterung. Als magische Form sei sie Eyecatcher weit in die Luisenstraße hinein. Positiv- und Negativform würden sich in der räumlichen Vorstellung des Betrachters zur gefüllten Kreisform komplettieren. Der Kreis schließe sich im wahrsten Sinne des Wortes: etwas werde „rund“. Auch der Begriff der Vanitas spiele in die Installationen hinein, werde jedoch in Gold sogleich positiv in einen Bestandteil des Lebens, gerade auch eines Krankenhauses verwandelt. Die „Goldene Stunde“ bezeichnet in der Notfallmedizin den Zeitraum, in der akutmedizinische Patienten gerettet werden können und stehe hier laut Preisträger im erweiterten Sinne auch als Metapher für den „goldenen“ Moment der Heilung.

Dabei hängen die Berliner Kliniken inzwischen selbst am Tropf. Finanziell und personell unterversorgt hinken die Berliner Krankenhäuser bei Modernisierung und Sanierung mit Milliardenbeträgen dem Stand der Technik hinterher. Sollte sich deswegen für einen Patienten die goldene Stunde als letztes Stündlein erweisen, kann dieser mit einem letzten Blick auf das goldene Ziffernblatt seiner eigenen Vergänglichkeit wenigstens schnell noch etwas Positives abgewinnen.

Dass dann wenigstens das gewählte Material haltbarer als die Vergänglichkeit alles Irdischen ist, hofft der Bund der Steuerzahler. Das goldene Zifferblatt wird 10 Zentimeter freischwebend auf der Brandwand mit einem Durchmesser von 8,5 Metern installiert. In der Beschreibung zu dem Kunstwerk heißt es, der drei Millimeter starke Edelstahl sei Industrie-spiegelpoliert , PVD-beschichtet und damit extrem dauerhaft, wetterfest und farbstabil und somit für den Außenbereich prädestiniert.
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